Fiat 130: Erfahrungsbericht #1

Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht zum Fiat 130 von Yorck Neudenberger

Fiat 130 (1969-1977)
1971-1977
2-tr.Stufenheck-Limousine
»Coupe«
Fiat 130 (1969-1977)
1969-1976
4-tr.Stufenheck-Limousine
Fiat 130 (1969-1977)
Variante: 1971-1977 | 2-tr.Stufenheck-Limousine | »Coupe«

Fiat 130 (1969-1977)
Fiat 130 (1969-1977)
Variante: 1969-1976 | 4-tr.Stufenheck-Limousine

Fiat 130 (1969-1977)


Erfahrungsbericht #1 zu: Fiat 130 (1969-1977)

Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht zum Fiat 130 von Yorck Neudenberger

Fiat 130 (1969-1977) Erfahrungsbericht
verfasst von Yorck Neudenberger
am 02.10.2001 um 17:13 Uhr

"FIAT 130 Berlina 3,2 1976, Fiat 130 coupé 3,2 1977, Fiat 2300 S Coupé 1965
mein Name ist Yorck Neudenberger und ich fahre alle drei dieser Wagen im Sommer, habe aber schon einiges an Erfahrungen gesammelt: Meine Berlina ist eine der seltenen Varianten mit ZF 5 Ganggetriebe, meine Coupé auch. Die Berlina besitzt einen Abarth Motor mit 3 Weber 40 DCNF Webervergasern, heißen Nockenwellen und 220 PS.
Das Coupé ist mit dem 165 PS 3,2 V6 Standardaggregat ausgerüstet, leistet jedoch auf dem Rollenprüfstand 178 PS...(Obere Serienstreuung)
Die 130 3,2 Berlina ist besser verarbeitet als das von Pininfarina gebaute Coupé, was wohl daran liegt, daß Fiat den Wagen als Staatskarosse und Konkurrenz für den Mercedes 280 SE (W 108) entwarf und diese Serie in Handarbeit baute.
Bis in dei 80er Jahre (teilweise bis heute) fuhren und fahren Minister und andere Politiker 130 3200 Berlina, meist mit Automatik
Der damalige Preis war für die gute Ausstattung sehr günstig, wenn auch nicht spottbillig. Die Qualitätskontrolle muß für Fiat Verhältnisse sehr streng gewesen sein, denn im Vergleich zu den späteren Fiat 131 / 132 wurde hier wirklich auf Spaltmaße, sattes Türschließen, Klapperfreiheit, besten Federungskomfort und einen leisen Motor geachtet. Zur Einführung in Deutschland 1970 kostete der Wagen mindestens um 17.000 DM mit bereits sehr guter Ausstattung wie Borg Warner (Jaguar XJ6) Automatik, höhenverstellbarer und Längenverstellbarer Lenksäule, 160 PS V6 2,8 Liter, 205er Gürtelreifen auf Magnesium-Rennfelgen von Chromodora, Doppelrohrauspuff, Kopfstützen, Rollgurten an den Vordersitzen, Rollos an der hinteren Scheibe, Sperrdifferential (Diff. nicht immer)... Lediglich Connolly-Ledersitze, Elektrische Fensterheber, Cassettenradio mit Suchlauf, Klimaanlage, zweiter Außenspiegel, Nebellampen waren Extras, auf die man aber getrost verzichten konnte um sie billiger privat nachzurüsten, denn das schöne originale Cass-Radio ( heute sehr, sehr selten und gesucht !!) war den damaligen Grundig oder Blaupunkt-Radios in Sachen Empfang und Klang weit unterlegen und wer braucht im kalten Deutschland schon Klimaanlage?
Jedenfalls damals kein Mensch!
Lediglich die Motorpresse konnte Fiats nicht recht leiden und ruinierte den Ruf noch vor der Erstauslieferung durch Artikel in denen es von Zynismus nur so wimmelte: Z.B. Zitat "Der 130 registriert den Berg noch vor dem Fahrer" oder "Wie kommt man im 130 am schnellsten den Berg hinauf? Indem 4 Mann aussteigen und schieben..."
Oder z. B. "Dieser V6 zieht keine 3 Heringe vom Teller, Reisekoffer mit Macken..., S- Klasse Lada..., wer es wirklich eilig hat fährt Porsche 911SC oder BMW 3,0 CSI..., aufgeblasener 125..."
Es war halt der Manta seiner Zeit...
Grund des Anstoßes war ( für mich unverständlich!!!) wohl der durch seine Kultiviertheit zurückhaltende 2800er Motor mit "nur" 160 PS der von dem Ferrari Motorenbauer Aurelio Lampredi entwickelt worden war. ( Auch der Fiat 2300 Reihensechszylinder-Motor und der verbesserte Ferrari Dino 246 Motor gehen auf Herrn Lampredi zurück!)
Man erwartete eine Granate von einem Auto, der es mit einem Porsche 911 SC aufnehmen konnte und bekam einen Italienischen Rolls-Royce.
Die Motortester erwähnten aber mit keinem Wort daß ein Ford 20 M oder Opel Kapitän oder Citroen DS auch nicht gerade Dragster waren...
Der Fiat lief mit Automatik 190Km/H und mit der optionalen, ohne Aufpreis lieferbaren Handschaltung von ZF ca 200.
Das war mehr als ein Mercedes W 108 aber weniger als ein BMW 3,0 Si oder Alfa Montreal. Fiat besserte, des ewigen Meckerns müde, schon ein Jahr später mit mehr Hubraum und Leistung nach und verärgerte alle bisherigen Besitzer, hauptsächlich Geschäftsläute, deren alte 130 2800 plötzlich unverkäuflich wurden.
Die neue Variante hieß 130 B-Berlina, hatte einen auf 3200 CCM aufgebohrten Motor und neue Nockenwellen mit den Steuerzeiten 26/66/ 56/36 statt der bisherigen 26/66/ 66/26 deshalb fiel auch die nominelle Leistungssteigerung nur um 5 PS aus aber das Drehmoment
steigerte sich auf 256 Mkg.
Jedoch wurden die 165 PS nach der Einlaufphase deutlich übertroffen um bis zu 10 PS. Die Automatik war ab jetzt Option, Standard war das deutsche ZF Getriebe mit 5 Gängen. ( Mercedesgetriebe)
Trotdem wählten viele Leute die komfortable BW-JAGUAR Automatik, die natürlich prompt die Beschleunigungszeiten plattbügelte, da sie nur 3 gänge hatte und eigendlich für amerikanische 4,5 Ltr V8 Motoren (AMC) gedacht war.
Der Drehmoment Fluidwandler klaut ca. 15 PS und verwandelt diesen in Schlupf ( Hitze ) und somit wird man an der Ampel schon mal von einem schnellen Irmscher Opel Kadett oder Ford-Escort RS geschlagen, zum Verkehrshindernis , wie es die Motorpresse behauptete, wird man aber noch lange nicht.
Man bedenke, es gab sogar verwegene Leute die sich mit einem Mercedes E 200 D auf die Straße wagten und sie überlebten, jedoch leicht geräuchert !!
Mit dem schönen etwas knorrig zu schaltenden 5 Ganggetriebe kann man prima (Los-) rasen und ich praktiziere dies auch gelegentlich , bis die Kupplung qualmt!
Der Originale 130 3200 schafft 100 Km/H in 8,2 sec und Tempo 210 Spitze (gestoppt), meine getunte Limousine, die von außen unverändert aussieht erntet schon mal einen Kommetar wie: "Das ist aber ein träges Auto"
An der nächsten Ampel jedoch fallen den Lästermäulern dann die Kinnladen herunter wenn sie nur noch zwei schwarze Streifen auf dem Asphalt sehen und in Qualm gehüllt sind, der nach verbranntem Gummi stinkt...
Ich erreiche in ca. 7,6 sec 100 KM/H und Tempo 230 Spitze... bei leichtem Gefälle und Windstille sind noch ca. 8 Sachen mehr drin..
Der Verbrauch ist für ein 70er jahre Auto angenmessen wenn auch nicht übermäßig sparsam, ca, 15 Liter auf 100 KM, Mit den 3 Webern können es bis zu 17 Litern sein, dann aber muß es schon sehr rasant zugehen.
Ein Säufer, wie oft dargestellt ist der 130 nicht, er fährt mit Super plus bleifrei, da er schon damals gehärtete Ventilsitze hatte.( Für Autogas!!! und den USA Export)
Eine Frechheit bis heute ist der ständige Vergleich des 130 mit den damaligen Konkurrenten, nur leider hat immer der 130 die lahme Automatik und die Gegner Handschaltung, nie aber auch nie ist es umgekehrt oder gleich.
Wenn mir einer sagt daß ein W 108 280 SE dem 130 davonfährt, dann lügt er, der 280 SE fliegt höchstens davon, nämlich aus der Kurve!
Anders als der Fiat muß sich der Mercedes mit der unsäglichen Eingelenkpendelachse begnügen. Diese ist nicht Spur und Sturzkonstant und beim Bremsen verlieren die Hinterräder den Bodenkontakt, man kommt leicht ins schleudern.
Fazit, wenn auch der 130 nicht der schnellste im Lande war, so gebührt Ihm doch Respekt aufgrund der ausgezeichneten Raumausnutzung, der fortschrittlichen Drehstab.Federung, die es mit einem Citroen aufnehmen kann, dem leisen Motor, und der wohl besten Hinterachsaufhängung seiner Zeit, die bis heute Ihresgleichen sucht.
Der 130 braucht keine Angst vor einem Elchtest zu haben!!!"


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