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Erfahrungsbericht zu: Opel Omega (1993-2003)

Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht zum Opel Omega von Franz

Opel Omega (1993-2003) Erfahrungsbericht
verfasst von Franz (65)
am 17.04.2019 um 15:48 Uhr

"So richtig zufrieden war ich mit dem Omega 2.2-16V, Baujahr 2001, eigentlich nie.

Gekauft habe ich ihn 2016 als konzeptionell ähnlichen Ersatz für meinen absolut zuverlässigen, aber rostigen W124 230E von 1992 (ich hatte in knapp 30 Jahren insgesamt vier W124 und alle waren Spitze). Kam zum Omega mehr durch Zufall - neue Autos sind nicht mein Ding, auf rostige 210er und anfällige 211er hatte ich keine Böcke, 5er-BMWs und der Audi A6 oder ein Passat 3BG (alle probegefahren) sowie seltene Importmodelle sind mir unsympathisch gewesen, ordentliche 124er waren im Verhältnis viel zu teuer. So landete ich beim Omega, Baujahr 2002, 65000 gelaufen, erste Hand (Jahrgang 1926), alle Extras, Scheckheft lückenlos, rost- und kratzerfrei, den ich für 3000 Euro inklusive neuer Inspektion und einem Satz neuer Winterreifen beim Opel-Händler stehen sah und kaufte. Ich dachte mir ... einen der letzten Omegas kann man sicher kaufen, allgemein wirkte der Wagen erstklassig erhalten. Der Wagen stammte von einem langjährigen Stammkunden und war top-gepflegt und gewartet, der Opel-Händler meinte sogar, er hätte so einen alten Omega sonst in den Export verramscht, aber der sei wirklich noch gut und nur deswegen auf seinem Hof gelandet. Es waren sogar die Originalprospekte dabei. Was will man mehr? Ich war ja froh, dass ich nicht vom Schotterplatz-Ali bedient wurde, sondern von einem seriösen alteingesessenen Opel-Händler, der mich als Kunde auch ernst nahm und tadellos behandelte.

Aber schon in den ersten Wochen gab es Stress, der sich gerade so weiter zog - die Gebrauchtwagengarantie vom Opel-Händler hat noch einiges geregelt, aber dann wurde es erst richtig witzig: Kaum ein Monat, in dem der Opel nicht nachgebessert wurde - Krümmer, Stoßdämpfer, Kühler, Kupplung, der elektrische Fahrersitz, Klima-Kondensator und -Kompressor, Kombi-Instrument, Instrumentenbeleuchtung, Wasserpumpe, Zentralverriegelung und der Hauptschlüssel gaben nacheinander den Geist auf; Probleme machten auch die Spureinstellung, Zündaussetzer und die Handbremse, die irgendwann wirkungslos war. Innerhalb des letzten Jahres (seit April 2018) habe ich rund 5000 Euro investiert, jetzt ist Schluss damit, es gibt wieder Probleme mit Ölverlust/Ventildeckeldichtung und ich habe keine Lust mehr auf den Opel. Wenn ich jetzt wieder Geld in die Hand nehme, weiß ich nicht, wann das nächste kommt. Meine 124er waren bis zu 27 Jahre alt und der 230E war 307000 Kilometer gelaufen bei normalem Pflegeaufwand (alle 15000 Kilometer Ölwechsel und Kundendienst bei Benz, sonst nur Verschleiß und natürlich Rostentfernung à la Mercedes) und von der Zuverlässigkeit her inklusive eines nicht ganz "hasenreinen" 260E alle erheblich besser - der Omega leistete sich Defekte, von denen ich gar nicht wusste, dass da ein Auto kaputtgehen kann. Es war ein Drama. Vor allem: Die 5000 Euro resultierten zum geringsten Teil auf Rechnungen vom Opel-Händler - da steckte auch Eigenleistung drin, die ein Kumpel von mir der Kfz'ler ist, auf Opel lernte und selbst Omega B gefahren ist, für mich privat verrichtet hat.

Wenn der Omega mal fährt, ist er prima, aber eine so hohe Ausfallquote hatte ich nie. Ganz stehen blieb er zwar nie aber irgendwas war immer. Von einem der letzten Exemplare einer zumindest in späten Jahren weithin gelobten Serie hätte ich mir mehr erhofft, ich bin ehrlich gesagt enttäuscht. Immerhin war/ist der Opel-Händler stets kulant zu mir gewesen; ihm war es auch ein Rätsel, warum ausgerechnet dieses "Sahnestück" so oft bei ihm stand und die Garantie echt ausreizte.

Kommen wir zum kurzen Fazit über den Opel Omega B, 2.2-16V, Baujahr Dezember 2002.

Pluspunkte sind (subjektiv) die bis auf abblätternden Softlack recht passable Verarbeitung im Innenraum, fürstliche Sitze, das Platzangebot, der tolle Langstreckenkomfort, die einfache Bedienbarkeit trotz kleiner Knöpfe, der kultivierte Motor und der im Schnitt für ein so großes Auto akzeptable Verbrauch (9,8 Liter im Schnitt laut Bordcomputer). Auch der Kofferraum ist groß, der Ausschnitt der klappbaren Lehne allerdings durch das Oval unergonomisch klein.

Minuspunkte sind (auch subjektiv) neben der Unzuverlässigkeit und Reparaturanfälligkeit vor allem der große Wendekreis, die Unübersichtlichkeit nach allen Seiten und das Fehlen sinnvoller Ablagemöglichkeiten. Die Türausziehfächer bringen kaum was, das Handschuhfach ist mit dem Servicebuch überfüllt, die Armlehnenbox nicht tief genug, rund um die Handbremse die Schale bringt auch nix.

Man muss nichts schlecht reden und die Omegas sind sicher per se keine schlechten Autos, ich bin aber mit dem Thema "Opel Omega" durch und werde keinen mehr kaufen.

Weiterempfehlen? Sagen wir es so: Es mag auch zufriedene Fahrer geben und mir rieten etliche fachkundige Leute, die ich vorher fragte und die Omegas kennen, eindeutig zum Omega, lobten ihn echt total - wer weiß, vielleicht ist meiner ein Montagsauto und meiner wurde nur schlecht eingefahren, was auch immer. Man sieht ja noch etliche Omegas fahren, auch übel aussehende Modelle, und haltbar sind die anscheinend, nur meiner war es nicht.

Aktuell habe ich das Auto noch (106000 gelaufen) abgemeldet rumstehen, bin aber drauf und dran ihn zu verkaufen - der geht in den Export, ich will ihn nicht mehr sehen und niemandem hierzulande ein solches Auto zumuten; kann die Karre ja nicht guten Gewissens einem Privatnutzer verkaufen. Ich habe viel Geld verloren mit dem Ding, aber das ist jetzt auch egal - Hauptsache, der Hobel ist weg.

Kehre jetzt etwas reumütig zurück zu Mercedes. Mein Glück war, dass ein Freund mir den alten E200 seines verstorbenen Vaters, Baujahr 1997, absolut rostarm und erst 130000 gelaufen, zu einem Freundschaftspreis angeboten hat. Den habe ich direkt gekauft, der läuft bisher tadellos."




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